Party-Park … und keiner von den fünfen.

Aufgeschnappte Textfetzen

Im Vorbeigehen höre ich einen Teenager neben dem Supermarkt telefonieren und laut rechnen:

Also, wir sind 15 Personen, davon trinken 5 extrem viel Bier … 🙂

Wenig später in der Dämmerung erklingt laute Musik aus dem nahegelegenen Park. Die Kids lachen und schreien die ganze Nacht hindurch. Ich genieße es von Ferne und bin äußerst zufrieden darüber, dass ich nicht mitmachen muss. Vor allem bin ich aber co-erleichtert, dass sie mal was machen dürfen, was man in dem Alter halt so macht: Sich mit anderen treffen, tanzen, singen und ein bisschen die Sau rauslassen.

Schlafen kann ich übrigens ausgezeichnet in der Nähe dieser Park-Party. Es kommt halt immer auf die Vibe an.

Aufgeschnappte Schreifetzen

In der Nacht werde ich von aber etwas ganz anderem geweckt, nämlich von dem extrem lauten Gezeter einer heiseren, aber sehr durchdringenden Männerstimme. Das ganze Viertel wurde ausführlich davon beschallt. Aus dem Halbschlaf heraus hatte ich noch kein Wort verstanden, als sich der schreiende Mann auch schon in Richtung Party-Park entfernte. Inzwischen war ich wach und fragte mich, was wohl die Kids machen, wenn er sie besucht? Falls sie ihn überhaupt hören durch die Musik.

Kurz darauf hob das Gezeter wieder an. Diesmal kam es vom Party-Park aus direkt auf mich zu. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es 4:30 war. Jetzt konnte ich auch hören, was er schrie.

Unfähig! 
Unfähig!
Unfähig!

Kurze Pause.

Und sowas sitzt im Bundestag! Dem muss man die Eier … 

… das nachfolgende Wort wollte ich mir merken, aber es ist mir wieder entfallen … dem muss man die Eier … ähm, weg- , ab- … die Eier weg … es war irgendwas mit O, ein Wort, in dem ein O vorkam. Mist, vergessen, aber auf alle Fälle wissen wir jetzt, dass sich die Rede auf einen Mann bezieht.

Ja, das war es im Großen und Ganzen auch schon, was er brüllte, „unfähig“, und das, was mit den Eiern gemacht werden muss. In Wiederholungsschleife. Bestimmt hat er recht. Die Trefferquote ist doch recht hoch. However, meine Neugierde war jetzt natürlich geweckt. Ich ging zum Fenster und schaute nach draußen. Im Schein der Straßenlaternen sah ich weit hinten zwei Gestalten auf dem Bürgersteig. Weil das Geschrei jäh verstummt war, dachte ich mir, das kann nicht der Mann sein. Die beiden dort haben gar nichts damit zu tun. Doch da brach es plötzlich wieder los:

Unfähig! Unfähig! Unfähig!

Sie kamen näher und ich sah, dass die zweite Person ein junger Mann war. Er lief sehr geduldig im konstanten Abstand von etwa zwei Metern hinter dem brüllenden Mann her. Fast hingebungsvoll und in aller Ruhe filmte er die gesamte Szene mit seinem Smartphone. So gezielt und besonnen, wie er vorging, war er höchstwahrscheinlich keiner von den fünfen, die so extrem viel Bier trinken.

Wobei, ich erinnere mich an einen Kumpel, der mal im Rahmen einer Studie unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen seine Fahrtüchtigkeit am Simulator unter Beweis stellen musste. Eigentlich sollte gemessen werden, ab wann die Verkehrstauglichkeit nachlässt oder gar nicht mehr gegeben ist. Bei ihm war es aber genau anders herum: Je mehr er einnahm, desto sicherer und ruhiger fuhr er. 

Aufgeschnappte Songfetzen

Zurück zum Party-Park: Die Kids haben echt einen guten Geschmack. Via Hirn-Shazam hatte ich schon am Abend einen schönen Track gefischt und sofort das Ergebnis erhalten, siehe unten!

Jetzt – so kurz vor der Morgendämmerung – läuft ein Song, in dem sich zwei Akkorde permanent abwechseln. Der Song läuft zwar nur zwanzig Minuten, aber es könnte auch drei Stunden so gehen, denn die zwei Akkorde streben extrem stark zueinander:

Nach dem einen Akkord will man unbedingt den anderen hören und dann wieder den einen – es ist nie genug, man wird nicht satt.

Ab und zu blendet sich eine park-überschallende weibliche Stimme mit amtlichem Cathedral-Hall ein und spricht einen langen Text über die Musik. Vielleicht ist sie auch fest in den Song installiert. Ich verstehe weder Sprache noch Botschaft, aber sie klingt so reif, äußerst unaufgeregt und trotzdem sehr eindringlich. Niemand brüllt gerade mehr. Die Stimmung ist irgendwie besonders, sehr friedlich, in sich versunken und gleichzeitig ein wenig apokalyptisch … das muss man auch erstmal schaffen!

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