Bild aus der Vergangenheit erinnert an Duft aus der Vergangenheit

Duft aus der Vergangenheit

Schnell mal die Stimmung wandeln

Um trübe Stimmung in gute zu verwandeln, hilft zum Beispiel ein Gespräch mit einem Freund/ Freundin, ein treffender Spruch, eine nette Geste von jemandem … oder ein Duft!

Auf den Tag heute habe ich mich gefreut, weil ich viel Zeit zum Schreiben und Zeichnen reserviert habe. Doch was passiert? Ich stehe auf und habe die allerschlechteste Laune der Welt. Damit zeichnet und schreibt es sich nicht so gut. Also disponiere ich um und ziehe ein paar Botengänge vor, die ich aus organisatorischen Gründen auf den Abend verschoben hatte.

Als ich mich an der Schlange vor dem Postschalter anstelle, nehme ich einen Hauch von irgendwas wahr. Und ganz plötzlich geht mein Licht an, ich kriege schlagartig gute Laune! Sogar fast noch bevor ich realisiert habe, dass es gut riecht.

Normalerweise verstehe ich unter gut riechen, nach gar nichts zu riechen. Vor allem nicht nach Weichspüler, synthetischem Parfum oder Rasierwasser.

Das hier ist künstlich (= schlimm) und doch anders. Ich kenne den Duft, erinnere mich aber so gar nicht, was es sein könnte. Da er trotz seiner Präsenz dezent war, könnte er auch von einer Creme, einer Seife oder einem Haarshampoo stammen. Unauffällig rücke ich der Frau vor mir auf die Pelle und schnuppere vorsichtig. Es kommt von ihr, sie ist es. Ich frage mich, ob ich sie ansprechen soll. Hm, vielleicht etwas überdimensioniert. Shazam für Düfte wäre eleganter. Wieso gibt es das noch nicht?

In der Duftvergangenheit ermitteln

Ich recherchiere in meiner Duftvergangenheit und orte den Themenkreis. Mein Körper hat schließlich alle Ereignisse gespeichert und mit seinen Sinnen erfasst. Irgendwo muss er sein. Länger her … ganz schön lange her auf jeden Fall. Aha! Späte 80er Jahre. Ich werde neugierig. Obwohl ich mir nicht erklären kann, warum die späten 80er so eine stimmungsaufhellende Wirkung haben. Meistens bin ich froh, dass ich im Jahr 2017 lebe.

Gleich ist die Frau an der Reihe. Danach geht sie weg und ich werde nie erfahren, wonach sie geduftet hat. Nie. Und beschreiben könnte ich den Duft auch nicht, falls ich in ein Kaufhaus ginge, um ihn zu finden. Wie soll das gehen? Also packe ich doch die Gelegenheit beim Schopf, frage sie und erfahre, dass es Jil Sander N°3 ist.

Ein Klassiker!

Auf einmal purzeln die Erinnerungen herein.

Meine Mutter, meine große Schwester und ich, wir hatten den Duft alle drei. Vor tausend Jahren. Oder wir hatten einen Flacon und alle haben ihn Ostern probiert, keine Ahnung mehr. Mir kommen viele Episoden aus der Zeit in den Sinn. Ein reich gedeckter Tisch mit bunten Ostereiern und einem Hefezopf taucht auf. – Gut, für Außenstehende klingt es jetzt vielleicht nicht sonderlich erhebend, wenn drei Frauen zwischen Hefezopf und Ostereiern nach Jil Sander Nummer Drei duften. Für mich ist es schön – feierliche Feiertage eben.

Zurück in die Gegenwart

„Das Parfum wäre beinahe vom Markt genommen worden, weil die Leute glauben, dass alles, was neu ist, besser ist“, erzählt die Frau.
Auf Parfum trifft das ja nun wirklich nicht zu. Und dieser Duft, der darf die Erde nicht verlassen. Die Frau plaudert weiter. Es hat Protest von vielen Kundinnen gegeben und jetzt bleibt die Nummer Drei doch da.

Später im Supermarkt an der Kasse steht hinter mir ein höchstens fünfzehnjähriger Teenager und riecht gut. Das habe ich noch nie erlebt. Diesmal ist es wirklich eher eine Creme und ich kenne den Duft auch nicht. Das ist auch nicht wichtig, denn ich bin inzwischen bestens gelaunt – die N°3 hat eine große Halbwertszeit – und sitze bereits am Zeichentisch.

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Übrigens, dieses Titelbild erinnert mich eher an Maiglöckchen, wenn wir schon von Düften sprechen. Die sind in der N°3 garantiert nicht enthalten, dafür ist der Duft von Maiglöckchen auf Platz eins meiner Hitliste der zauberhaften Gerüche. Eine Freundin sagte dazu einmal „so soll es immer riechen“. Das Gleiche traf auch auf den Apfelstrudel und die frisch gebackenen Waffeln zu, die wir kurz nach unserem Gespräch über Maiglöckchen aßen. Danach soll es natürlich auch immer riechen.

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